Gestaltung von Gottesdiensten: Dürfen wir alles, was wir können

 

Dürfen wir alles, was wir können? Meistens wird auf diese allgemeine Frage mit „Nein“ geantwortet. Anders ist es manchmal bei der Gestaltung von Gottesdiensten. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, so kommt es mir gelegentlich vor. Wenn ich in meiner Stadt zum Besuch eines Gottesdienstes aufbreche, ertappe ich mich gelegentlich bei der Frage: Welche Form erwartet mich wohl heute? Welcher Pfarrer, welche Pfarrerin will es denn heute mal „etwas anders“ machen? Und wie „anders“?

Natürlich sind die gewohnten Gottesdienstformen kein Heiligtum, und ich will mich auch nicht lange damit aufhalten, dass – jedenfalls in unserer Landeskirche – der Kirchenvorstand das liturgische Recht hat und vorher unterrichtet werden und zustimmen muss, wenn z.B. das Glaubensbekenntnis ersatzlos entfällt. Ich frage eher nach den Menschen, die sich sonntags zum Gottesdienst aufmachen und überraschend „etwas Neues“ erleben, eine völlig andere Form, mehrere Lesungen in verschiedenen Bibelausgaben, fehlende liturgische Stücke und mehrere „Geschichten“ anstelle von Gebeten. Dazu ein weißer Talar mit einer sehr bunten Stola aus Peru. Wem hilft das?

Neulich hatte ich wegen der Sitzverhältnisse die Möglichkeit, während des Gottesdienstes in die Gesichter der anderen zu sehen. Große Freude herrschte da nicht über das „überraschend Neue“, dachte ich, eher Verstörung und auch ein wenig Verärgerung. Paulus hat sicher recht, dass man zwar alles darf, dass aber diese Freiheit den Schwächeren möglichst nicht zum Anstoß werden soll (1. Korinther 8,9). Wer, was zu begrüßen ist, Gottesdienste in anderen Formen feiern will, sollte möglichst auch auf eine andere Zeit ausweichen und die Tradition nicht preisgeben. Oder denke ich Ihnen da schon zu konservativ?

Michael Becker

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